Versicherungen für Ärzte - Teil 1

Welche Versicherungen brauchst Du als Ärztin oder Arzt?


In unserer Serie: Welche Versicherungen brauchst Du als Ärztin oder Arzt? Beginnen wir mit einen Überblick über die wesentlichen Absicherungen, die Du haben solltest. In den kommenden Wochen arbeiten wir uns dann durch die ganzen Möglichkeiten und blicken auf jede einzelne Versicherung etwas genauer.


Gesundheit, Einkommen, Vermögen

Eine Versicherung ist dazu da, einen Wert zu schützen, der einem Risiko ausgesetzt ist. Die Werte, um die es sich im Wesentlichen dreht, sind Deine Gesundheit, Dein Einkommen und Dein Vermögen.


Deine Gesundheit

In Deutschland haben wir eine gesetzliche Krankenversicherungspflicht. Ab einer bestimmten Einkommenshöhe oder eines besonderen Status kommt die freie Wahl des Krankenversicherungssystems dazu, so dass Du wählen kannst, ob Du in einer gesetzlichen Krankenkasse bleiben möchtest, oder Dich privat versichern magst.

Die Wahl einer geeigneten Privaten Krankenversicherung stellt kein leichtes Unterfangen dar. Die Leistungen der unterschiedlichen Tarifkombinationen unterscheiden sich stark voneinander und die Versicherungsbedingungen sind häufig schwierig verständlich, weil es unterschiedliche Teile gibt, die Leistungen erweitern oder einschränken können. Man darf also sehr genau lesen, um wirklich zu verstehen, was in dem jeweiligen Tarif abgesichert ist.

Dein Einkommen

Die Ausbildungsphase dauert bei Ärztinnen und Ärzten im Vergleich zu anderen Berufsgruppen sehr lange. Gleichzeitig erwirtschaftest Du allerdings auch bereits zum Berufsstart ein durchschnittlich ein deutlich höheres Einkommen, als die meisten anderen akademischen Fächer.

Wir haben in Deutschland das große Glück, dass unser Sozialsystem dafür sorgt, dass niemand in völliger Armut ertrinken muss. Die staatliche Grundsicherung bietet keinen Komfort, aber eben ein Dach über dem Kopf und ein kleines Zugeld, mit dem die grundlegenden Nahrungsmittel beschafft werden können. Wenn man sich allerdings einmal an den höheren Lebensstandard, den Dein Einkommen mit sich bringt, gewöhnt hat, ist es nicht ganz so einfach dieses Standard loszulassen, wenn man sein Einkommen verliert.

Wie kann das passieren? Arbeitslosigkeit ist ein zu vernachlässigender Grund, weil Ärztinnen und Ärzte mit ein wenig Mobilitätsbereitschaft, jederzeit einen Arbeitsplatz in ihrem Beruf finden können. Der Bedarf ist gegeben.

Übrig bleibt dann nur: Arbeitsunfähigkeit.

Wenn Du nicht mehr in der Lage bist für Dein Einkommen zu sorgen, weil Du einen Unfall hattest, oder krank im Bett liegst, sorgt nach der Phase der Lohnfortzahlung (auch wieder so ein deutsches Sicherheitsnetz im Sozialsystem) die Gesetzliche Krankenkasse über das Krankengeld oder die Private Krankenversicherung durch das Krankentagegeld für ein Ersatzeinkommen. Die Höhe im gesetzlichen System ist prozentual an Dein Einkommen gebunden und in der Höhe gedeckelt. Bereits in den ersten Arbeitsjahren überschreitest Du diese Grenze, so dass eine Lücke zu Deinem Nettoeinkommen entsteht. In der Privaten Krankenversicherung ist Dein abgesichertes Krankentagegeld von der Höhe her frei bestimmbar. Je mehr Du absicherst, desto höher wird der zu zahlende Beitrag. Mittelfristig gilt es, die wesentlichen Teile Deines Nettoeinkommens über ein Krankengeld oder ein Krankentagegeld abzusichern und die Höhe regelmäßig zu überprüfen.

Aus Arbeitsunfähigkeit kann nach einiger Zeit die sogenannte Berufsunfähigkeit werden. Die genauen Regelungen dazu sind relativ kompliziert und uneinheitlich. Je nachdem, wen man fragt (Versorgungswerk, Krankenversicherer, Berufsunfähigkeitsversicherer) bekommt man unterschiedliche Antworten. Trotzdem ist die Absicherung gegen die finanziellen Risiken einer Berufsunfähigkeit eine der wesentlichen Absicherungen, die Du abschließen solltest.

Nur diese Versicherungsart schützt Dich bei langfristiger Krankheit (oder einer langen Genesungsphase aufgrund eines Unfalls) vor dem drastischen Einkommensverlust, wenn das Krankengeld/Krankentagegeld vom Versicherer eingestellt wird.

Die Konzeption und Auswahl einer geeigneten Berufsunfähigkeitsversicherung für Ärzte ist komplex und bedarf einer sorgfältigen Vorbereitung.

Vergessen wird an dieser Stelle leider gerne die Pflegeversicherung. Denn neben der Arbeits- oder Berufsunfähigkeit, in deren Phase Du ein Ersatzeinkommen benötigst, um Deinen Kühlschrank zu füllen, Miete/Darlehensraten Deines Hauses oder Deiner Wohnung zu bezahlen, die ganzen aufgezählten Versicherungsbeiträge und vielleicht noch etwas Geld für die Altersvorsorge beiseite zu legen, kann es zu deutlich höheren Kosten aufgrund einer (vorübergehenden Teil-)Pflegebedürftigkeit kommen. Diese Kosten sind nicht in den bislang aufgezählten Versicherungsarten enthalten, sondern müssen zusätzlich abgesichert werden.

Die Pflegepflichtversicherung, die genau wie die Krankenversicherung, verpflichtend in Deutschland ist, ist nur eine Teilkostenabsicherung, die etwa die Hälfte der auftretenden Kosten auffangen kann. Für den darüber gehenden Teil ist eine Pflegezusatzversicherung anzuraten.


Dein Vermögen

Bei der Absicherung Deines Vermögens geht es um Dein derzeitiges UND zukünftiges Vermögen. Und das ist wichtig zu verstehen.

Dein derzeitiges Vermögen meint neben Deinem Sparbuch auch all die Dinge, die Du in Deinem bisherigen Leben angesammelt hast und die sich in der Regel in Deinem Haushalt befinden.

Dieser Hausrat kann durch eine Hausratversicherung gegen verschiedene Gefahren abgesichert werden. Dazu gehören beispielsweise Brand und Einbruchdiebstahl, aber auch Leitungswasserschäden können Dein Hab und Gut beschädigen.

Meist lässt sich Dein Fahrrad auch über die Hausratversicherung gegen Diebstahl versichern. So dass Du unbesorgt in die Klinik radeln kannst, obwohl Dein Fahrrad dort den ganzen Tag am Fahrradständer angekettet steht.

Wichtiger als die Hausratversicherung sind Unfall- und Rechtsschutzversicherung. Während Dir die eine im Falle eines schweren Unfalls eine Einmalsumme auszahlt (das ist der Kern einer Unfallversicherung), sorgt die andere für den Schutz Deines Vermögens bei Rechtsstreitigkeiten. Das wird für Ärzte gerade im beruflichen Umfeld immer wichtiger. Obwohl ich nicht glaube (hoffe!), dass wir keine amerikanischen Verhältnisse bekomme, ist zu beobachten, dass die Rechtsstreitigkeiten und deren Kosten in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen sind.

Schließlich fehlt uns noch das wichtigste finanzielle Risiko in diesem Bereich, die private und berufliche Haftung. Wenn Du in Deutschland jemanden oder etwas beschädigst, kannst Du in unbegrenzter Höhe dafür belangt werden. Das betrifft dann nicht nur Dein derzeitiges, sondern im Zweifel auch Dein zukünftiges Vermögen. Wenn jemand aus Versehen mit dem Rad ein Kind umgefahren hat, kann die zugesprochenen Schadensersatzzahlung ein jahrelange zu entrichtender Anteil Deines Einkommens sein. Davor schützt Dich die Haftpflichtversicherung, indem sie solche Zahlungen (auch in Millionenhöhe!) für Dich übernimmt. Für Deinen Berufsstand als Ärztin ist neben der privaten auch die berufliche Haftung sehr wichtig. Angestellte sind beruflich natürlich in der Regel über ihren Arbeitgeber abgesichert, aber nur so lange, wie Du in der Klinik (oder der Praxis) tätig bist. Das ärztliche Restrisiko (Erste Hilfe, Freundschaftsdienste, etc.) bleibt bestehen und wird von Deinem Arbeitgeber nicht übernommen. Auch Deine freiberufliche Nebentätigkeit, z.B. die Notarztdienste in der anderen Klinik, müssen gesondert abgesichert werden.

Wenn Du eine eigene Praxis hast oder als Honorarärztin tätig bist, musst Du Dich auch um die berufliche Absicherung Deiner Praxis (und der dort neben Dir tätigen Personen) oder Deiner Honorartätigkeit kümmern.

Je weniger Risiko die Versicherung zu tragen hat, desto günstiger ist Dein Beitrag. Grundsätzlich gilt: je konservativer, desto günstiger, je operativer, desto teurer.


Fazit

Wie Du siehst, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie Du Dein Leben gegen allgemeine Risiken absichern kannst und damit eine größere Sicherheit in Deine Lebensplanung bringst.

Beim ersten Lesen mag es Dir sehr viel vorkommen, aber wenn Du jedes einzelne Risiko betrachtest und darüber nachdenkst, ob eine Absicherung gegen die finanziellen Auswirkungen sinnvoll sein würde, wirst Du wahrscheinlich merken, dass es wenige Versicherungen gibt, auf die man leicht verzichten möchte.

Bei der Absicherung Deiner Gesundheit und Deines Einkommens sollten die bestmöglichen Absicherungen gewählt werden, die Du mit Deinem derzeitigen Gesundheitsstatus bekommen kannst.

Über Dein jetziges und zukünftiges Vermögen kannst Du da anderer Meinung sein. Im Rheinland sagt man: Wat fott es, es fott. 1 Darin liegt viel Wahrheit, aber man darf sich auch die Frage stellen, ob man das aufgebaute Vermögen ins Risiko stellen möchte, oder ob man lieber einen Sicherheitsschirm darüber aufspannt, um nicht wieder von Vorne anfangen zu müssen.

Die Kunst liegt in der aufeinander abgestimmten Kombination der unterschiedlichen Versicherungen und Geldanlagen, um Überversicherungen und Lücken zu vermeiden.


Bleibt gut beraten.

  1. Was weg ist, ist weg. Jammere den Dingen nicht nach. (Kölsches Grundgesetz §4) ↩︎

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